SPC Servis PC Brno

Brauche ich noch ein Antivirus? Was Defender gratis kann

„Muss ich mir ein Antivirus kaufen?" Die häufigste Frage, wenn ich einen Computer übergebe. Die Antwort ist heute eine andere als vor zehn Jahren — und hat ein paar Haken.

Ing. Miroslav Jaroš 12 Min. Lesezeit
Brauche ich noch ein Antivirus? Was Defender gratis kann

„Muss ich mir dazu noch ein Antivirus kaufen?” Diese Frage höre ich bei der Übergabe fast jedes Computers. Und ehrlich gesagt — die Antwort ist heute eine andere als vor zehn Jahren.

Früher war ein gekauftes Antivirus praktisch Pflicht. Der eingebaute Schutz in Windows war schwach, und wer gar nichts hatte, handelte sich Ärger ein. Heute ist es vielschichtiger: Der Schutz, den Sie in Windows kostenlos bekommen, hat die Bezahl-Konkurrenz eingeholt — und umgekehrt haben sich einige bekannte Bezahl-Antiviren mit Dingen „einen Namen gemacht”, wegen derer ich sie nur ungern empfehlen würde. Gehen wir das ehrlich durch — ohne Marketing und ohne Panikmache.

Zu den Screenshots: Die Aufnahmen stammen von einer englischen Windows-11-Installation (ein Testgerät in unserer Werkstatt). Deshalb nenne ich bei jedem Schritt den englischen Namen, wie er auf dem Bildschirm steht, und die deutsche Entsprechung. Microsoft benennt die Punkte zwischen den Versionen ohnehin gelegentlich um, nehmen Sie sie also als Orientierung.

Die kurze Antwort

Für die meisten ganz normalen Nutzer, die nicht auf dubiosen Seiten unterwegs sind und keine „Cracks” herunterladen, gilt: Das Antivirus, das Sie in Windows bereits haben, plus ein bisschen gesunder Menschenverstand reichen heute aus. Sie müssen keine zusätzliche Software kaufen.

Das heißt aber nicht, dass ein Antivirus überflüssig wäre oder dass an den Bezahlprodukten nichts dran ist. Es kommt darauf an, wer vor dem Computer sitzt und was er damit macht. Nehmen wir es der Reihe nach.

Was Sie in Windows 11 (und 10) schon jetzt gratis haben

In Windows steckt der eingebaute Microsoft Defender — Sie finden ihn als App Windows Security (Windows-Sicherheit). Das ist keine Attrappe: Es ist ein vollwertiges Antivirus, das von ganz allein läuft, gleich nach der Installation des Systems, ohne Bezahlung und ohne Registrierung.

Windows Security – Übersicht Security at a glance (Sicherheit auf einen Blick) mit den Schutzkacheln in Windows 11

Und es ist keine Schwachstelle. In unabhängigen Tests, die nicht von den Antivirus-Herstellern bezahlt werden, schneidet Defender seit Jahren hervorragend ab:

  • In den Tests von AV-TEST holt er wiederholt die volle Punktzahl beim Schutz und erhält die Auszeichnung „TOP PRODUCT” — auf dem Niveau der Bezahl-Spitze.
  • Im Real-World-Protection-Test von AV-Comparatives (Februar–Mai 2025) blockierte er 99,1 % der Bedrohungen und hatte dabei nur 2 Fehlalarme — einer der niedrigsten Werte überhaupt.

Was Defender alles gratis erledigt:

  • Echtzeitschutz (Real-time protection) — überwacht Dateien und Prozesse laufend, nicht erst bei einer manuellen Prüfung.
  • Cloud-Schutz (Cloud-delivered protection) — verdächtige Proben gleicht er binnen Sekunden mit der Datenbank von Microsoft ab und erwischt so auch ganz frische Bedrohungen.
  • SmartScreen — warnt vor betrügerischen Webseiten und gefährlichen heruntergeladenen Dateien.
  • Firewall — ist in Windows automatisch aktiv und blockiert unerwünschte eingehende Verbindungen.
  • Schutz vor Ransomware — der sogenannte überwachte Ordnerzugriff (Controlled folder access), den Sie allerdings von Hand einschalten müssen (wie das geht, beschreibe ich im Artikel Bester Antivirus 2026).

Damit es nicht nur Lob ist — Defender hat auch Lücken, und als Techniker sehe ich sie:

  • Es ist nicht das leichteste Antivirus der Welt. Auf einem normalen Computer mit SSD merken Sie die Last nicht, aber in den detaillierten Geschwindigkeitstests von AV-Comparatives liegt Defender erstaunlicherweise im Mittelfeld — etliche Bezahlprodukte (McAfee, Norton, ESET, Kaspersky) belasten das System weniger. Der abgedroschene Spruch „ein gekauftes Antivirus macht den Computer langsam” stimmt heute also generell nicht mehr.
  • Der Phishing-Schutz funktioniert nur im Browser Edge voll. Wenn Sie mit Chrome oder Firefox surfen, verlassen Sie sich vor allem auf den Schutz des Browsers selbst.
  • Es ist rein ein Antivirus — kein VPN, kein Passwort-Manager, keine Kindersicherung und kein Schutz für mehrere Geräte (Handy, Mac). Das können erst die Bezahlpakete.

Warum kaufen Leute also trotzdem Antiviren? Und warum das nicht immer ein Gewinn ist

Manchmal ergibt ein gekauftes Antivirus durchaus Sinn (dazu kommen wir gleich). Aber „bezahlt = automatisch sicherer” stimmt nicht. Ein paar Dinge, wegen derer ich bei einigen großen Marken vorsichtig mit einer Empfehlung bin — alles belegt, kein Werkstatt-Klatsch:

Das Antivirus, das Ihre Daten verkauft hat. Avast (und seine Tochter AVG) sammelte jahrelang über das kostenlose Antivirus den Browserverlauf der Nutzer und verkaufte ihn über die Tochterfirma Jumpshot weiter. Die US-Behörde FTC verhängte deswegen gegen Avast eine Strafe von 16,5 Millionen Dollar und untersagte ihm den Verkauf von Browserdaten ausdrücklich (2024). Bei uns in Tschechien bekam Avast vom Amt für Datenschutz eine Rekordstrafe von 351 Millionen Kronen. Ein Gericht hob sie 2025 zwar auf — aber nicht, weil nichts passiert wäre: Die unrechtmäßige Datenweitergabe an sich bestätigte das Gericht, nur waren sich Amt und Firma über die Zahl der Betroffenen uneinig (das Amt rechnete mit rund 100 Millionen, Avast mit etwa 55), und die Strafe muss neu berechnet werden.

Das Antivirus, das von den Computern runter musste. Kaspersky ist technisch gut, doch 2024 verbot die USA seinen Verkauf, und seit Ende September 2024 bekam es in den USA keine Updates mehr — mit Verweis auf russische Verbindungen und das Missbrauchsrisiko. US-Kunden wurde die Software obendrein still und heimlich gegen ein anderes Produkt ausgetauscht. Auch europäische Behörden warnten vor Kaspersky. Für eine Firma, die Ihren Computer bewachen soll, ist „Sie dürfen das nicht verwenden” ein ziemlich schwerwiegendes Etikett.

Das Antivirus, das auf Ihrem Computer Kryptowährungen schürfte. Norton fügte dem Paket Norton 360 die Funktion „Norton Crypto” hinzu, die im Hintergrund Ethereum schürfte — und Norton nahm sich 15 % vom Geschürften. Ausschalten und löschen ließ es sich für die Leute nur schwer. Nachdem Ethereum auf eine andere Funktionsweise umgestiegen war, stellte Norton das Schürfen 2022 ein, aber einen faden Beigeschmack hinterließ es.

Lästige Verlängerungen und „kündigen Sie, wenn Sie herausfinden, wie”. Automatische Verlängerung des Abos zu einem höheren Preis, Pop-up-Fenster, die immer weitere Dienste anbieten, umständliche Kündigung — das klären wir mit Kunden bei den großen Marken (McAfee, Norton) ständig. Es ist kein Einzelfall: Wegen intransparenter automatischer Verlängerungen lagen sowohl Symantec als auch McAfee in der Vergangenheit schon mit US-Behörden im Streit.

Und zum Dritten: Das Antivirus selbst kann ein Leck sein. Ein Antivirus hat tiefgreifende Rechte im System, also sitzt ein Fehler ausgerechnet an der heikelsten Stelle. Sicherheitsforscher von Google Project Zero fanden einst in den Antiviren von Symantec/Norton eine kritische Schwachstelle, die sie mit den Worten „schlimmer geht es nicht mehr” beschrieben — für den Angriff genügte es, eine Datei zuzustellen. Und alte Hasen wissen noch, wie McAfee mit einem Update eine Windows-Systemdatei für einen Virus hielt und Tausende Computer abschoss — in endlose Neustarts. Die Ironie ist, dass ähnliche „Fehlalarme” gelegentlich auch dem Defender selbst passieren.

Damit es klar ist — ich sage nicht, dass jedes gekaufte Antivirus schlecht wäre. ESET und Bitdefender sind solide, und in unserem Antivirus-Vergleich empfehle ich sie für bestimmte Situationen. Mir geht es um Folgendes: bezahlt bedeutet nicht automatisch sicherer, und kostenlos bedeutet nicht schlechter.

Was ein Antivirus NICHT kann (damit Sie sich nicht blind verlassen)

Das ist der wichtigste Teil des Artikels. Ein Antivirus schützt den Computer, nicht Sie. Und die meisten echten Schlamassel, die wir heute in der Werkstatt klären, beginnen nicht mit einem klassischen Virus:

  • Sie beginnen mit Phishing — einer betrügerischen Mail oder Seite, auf der jemand selbst sein Passwort eingibt oder eine Zahlung bestätigt.
  • Sie beginnen mit demselben Passwort auf zehn Webseiten — ein einziges Leck, und der Angreifer meldet sich überall an.
  • Sie beginnen damit, dass jemand bei einer gefälschten Rechnung im Anhang selbst auf „Trotzdem ausführen” klickt.

Davor rettet Sie kein Antivirus. Wenn Sie Ihr Passwort freiwillig in eine gefälschte Seite eintippen oder eine Warnung wegklicken, zuckt das Antivirus mit den Schultern — aus seiner Sicht haben Sie das so gewollt. „Hundertprozentigen Schutz” gibt es nicht, und wer ihn verspricht, verkauft Ihnen ein Gefühl, keine Sicherheit.

Wie Sie auch ohne (zusätzliches) Antivirus sicher bleiben — was wirklich funktioniert

Gute Nachricht: Die Dinge, die Sie am meisten schützen, sind meistens kostenlos und hängen nicht davon ab, welches Antivirus Sie haben. Das rate ich jedem:

  1. Halten Sie alles aktuell — das System, den Browser und Ihre Programme. Die allermeisten erfolgreichen Angriffe laufen über ein Loch, für das es längst einen Patch gibt. Schalten Sie automatische Updates ein, und das ist zum großen Teil erledigt.
  2. Nutzen Sie einen Passwort-Manager und 2FA (Zwei-Faktor-Authentifizierung). Ein einzigartiges Passwort für jede Seite und die Bestätigung der Anmeldung über einen zweiten Schritt (Code, Schlüssel, Passkey) stoppt sogar den Fall, dass Ihnen ein Passwort entwischt. Das schützt heute mehr als ein Antivirus.
  3. Setzen Sie einen Werbeblocker ein. Betrügerische Werbung (sogenanntes Malvertising) ist ein verbreiteter Weg zu Schadsoftware — sogar das FBI empfiehlt, beim Suchen im Internet einen Werbeblocker zu verwenden. Zuverlässig und kostenlos ist uBlock Origin.
  4. Arbeiten Sie im Alltag nicht unter dem Administratorkonto. Viel Schadcode braucht Administratorrechte. Wenn Sie täglich ein normales Konto verwenden und nicht bei jedem Fenster blind auf „Zulassen” drücken, schneiden Sie einen großen Teil der Angriffe ab.
  5. Sichern Sie Ihre Daten — die 3-2-1-Regel. Drei Kopien, zwei Medien, eine außer Haus (idealerweise offline). Das ist die einzige echte Verteidigung gegen Ransomware: Wenn Ihre Daten woanders liegen, verliert die Erpressung ihren Sinn. Ausführlich beschrieben im Artikel Datensicherung: die 3-2-1-Regel.
  6. Laden Sie aus offiziellen Quellen herunter und lesen Sie die Warnungen. Programme von der Seite des Herstellers, nicht aus dem ersten Werbelink. Und es gilt eine einfache Regel: Wenn Sie es nicht gesucht haben, installieren Sie es nicht.

Wenn Sie diese sechs Dinge tun, sind Sie besser dran als jemand, der ein teures Antivirus hat und ansonsten auf alles klickt.

Wozu ist ein Antivirus heute also wirklich gut

Damit es nicht so klingt, als wäre ein Antivirus zu nichts zu gebrauchen — es hat nach wie vor seinen Platz. Heute wirkt es vor allem als eine Schicht in einer breiteren Verteidigung:

  • Es fängt den „alltäglichen Schmutz” aus dem Internet — zufällige, nicht sonderlich raffinierte Schadsoftware, von der es überall wimmelt. Das beherrschen Defender und die Bezahl-Antiviren gut.
  • Es beobachtet das Verhalten, nicht nur bekannte Viren. Wenn ein Prozess anfängt, massenhaft Dateien zu verschlüsseln, erkennt das ein modernes Antivirus und stoppt es — auch ohne den konkreten Virus zu kennen. Das ist wertvoll gegen Ransomware und neue Bedrohungen.
  • Es prüft heruntergeladene Dateien und den USB-Stick. Eine Schicht, die Sie sonst von Hand erledigen müssten.
  • Es eignet sich für die, die „auf alles klicken”. Die Oma, die Kinder, ein weniger erfahrenes Familienmitglied — für sie ist ein stets aktiver Schutz eine nützliche Absicherung. Und die Bezahlpakete decken obendrein mehrere Geräte auf einmal ab (Windows, Mac, Handy) und ergänzen einen Passwort-Manager, ein VPN oder eine Kindersicherung. Wenn Sie diese Dinge ohnehin brauchen, kann sich ein Paket lohnen.

Mit anderen Worten: Antivirus ja, aber als Ergänzung zu den sechs Gewohnheiten oben — nicht als deren Ersatz.

Prüfen Sie Ihren Defender (Schritt für Schritt)

Egal, ob Sie bei Defender bleiben oder ein gekauftes Antivirus haben — es lohnt sich, zu überprüfen, dass der Schutz tatsächlich läuft. Bei Defender genügen dafür ein paar Schritte:

  1. Drücken Sie die Windows-Taste und tippen Sie Windows Security (Windows-Sicherheit), öffnen Sie die App.
  2. Klicken Sie links auf Virus & threat protection (Viren- & Bedrohungsschutz). Hier sehen Sie das Ergebnis der letzten Prüfung und können einen Quick scan (Schnellüberprüfung) starten.
Windows Security – Virus & threat protection (Viren- und Bedrohungsschutz): Ergebnis der Schnellüberprüfung, keine Bedrohungen
  1. Klicken Sie darunter im Bereich der Schutzeinstellungen auf Manage settings (Einstellungen verwalten) und vergewissern Sie sich, dass Real-time protection (Echtzeitschutz) und Cloud-delivered protection (Cloud-Schutz) eingeschaltet sind. Nach der Deinstallation eines anderen Antivirus bleibt der Schutz nämlich gelegentlich versehentlich ausgeschaltet.
Windows Security – Einstellungen für Virus & threat protection (Schutzeinstellungen): aktivierter Echtzeitschutz und Cloud-Schutz
  1. Wenn Sie vor allem Ransomware fürchten, schalten Sie auch den überwachten Ordnerzugriff (Controlled folder access) ein und fügen Sie ihm Ihre Ordner mit Dokumenten und Fotos hinzu (ausführlich im Antivirus-Vergleich).

Und eine Regel, die immer gilt: Haben Sie niemals zwei Antiviren gleichzeitig. Sie streiten sich um die Kontrolle über die Dateien, und das Ergebnis ist meist ein eingefrorener, langsamer Computer.

Wenn Sie nicht weiterwissen

Falls Sie sich nicht sicher sind, ob Ihr Schutz funktioniert, ob „etwas” auf dem Computer ist oder sich das System seltsam verhält, müssen Sie das nicht allein lösen. In unserer Brünner Werkstatt entfernen wir täglich Viren von Computern, retten Daten nach Ransomware und richten die Sicherheit so ein, dass sie Sinn ergibt — ohne unnötige Panikmache und ohne überteuerte Pakete, die Sie nicht brauchen.

Schauen Sie sich unsere Seite Antivirus und Ransomware-Schutz in Brünn an oder rufen Sie uns einfach an, dann beraten wir Sie in fünf Minuten am Telefon.

  • #Antivirus
  • #Windows Defender
  • #Sicherheit
  • #Computerschutz
  • #Avast
  • #Kaspersky
Teilen:

Found this useful? More security and privacy write-ups at ithope.cz.

Anrufen Kontakt